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“Johanna” - Eine alte Lady in neuem Style

Die traditionsreiche Barther Holzbootwerft Rammin wird zur diesjährigen Hanseboot in Hamburg (30.10. - 07.11.2010) mit einem ganz besonderen Schmuckstück aufwarten.
Ein fast 125 Jahre altes pommersches Zeesboot aus dem Jahre 1886 befindet sich zur Zeit in einer der Schiffbauhallen zur Rekonstruktion.
 Nun gehören diese auf den Boddengewässern beheimateten, ehemals mit ihrem Treibnetz quer vor dem Wind driftenden Fischersegler bei Rammin zwar sozusagen
“zum Alltagsgeschäft“. Aber bei der “Johanna” handelt es sich um eines der seltenen Rundgattboote, von denen insgesamt nur noch sieben Exemplare erhalten sind.
Gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, setzte sich auch beim Bau von Zeesbooten eine Modeerscheinung aus dem Großschiffbau durch.
Die Rümpfe wurden, wie bei den Klippern, in Kraweelbauweise mit weit nach vorne gezogenen konkaven Vorsteven und ebenso nach achtern geschwungenem breiten Heck (Rundgatt)
ausgeführt. Bei einigen dieser ältesten erhaltenen Zeesboote ist noch der so genannte Schwertgang zu sehen, über welchen das schwere Seitenschwert von einer Seite zur anderen
gewuchtet werden musste. Dieser wurde mit der Einführung des Mittelschwertes später überflüssig. Nach 1900 sollte sich bei den Zeesbooten dann wieder die Bauweise mit spitzgattem
Heck und konvexem Vorsteven durchsetzen.

Als STR. 10 “Waldemar” leistete das genannte Boot noch bis 1975 dem Stralsunder Fischer Alfred Hübner seine Dienste und wurde dann als “Dwarsdriwer”
von einem Freizeitsegler übernommen. In den 1990er Jahren war der Zeesbootrumpf nach einem Eignerwechsel dann erstmals zu Gast in Barth bei der Werft Rammin.
 Hierbei wurde der zwischenzeitlich einmal eingesetzte konvexe Vorsteven wieder durch den einst original vorhandenen Klippersteven ersetzt.
 Dessen alte Sponung war noch am Verlauf der Planken zu erkennen.
 Der folgenden Neubeplankung des Rumpfes fiel damals der Bereich des einst wasserdurchfluteten Fischkastens mit den bereits dichtgepfropften Planken zum Opfer.
 Durch den Umbau zum Familienboot wurde dieser Platz  für einen großen Kajütaufbau benötigt.
 Leider führten diese zeesbootuntypischen Aufbauten, nach Eignerwunsch, zu einem Stilbruch. Aber immerhin wurde mit der damaligen “Nenni” eine seltene alte Rumpfform erhalten.

Im Jahr 2010 hatte Bootsbaumeister Nils Rammin die Gelegenheit, das Boot wieder käuflich zu erwerben.
 Sein Entschluss stand schnell fest. Es soll zurück gebaut werden und wieder seine zeesboottypische Raumaufteilung erhalten.
 Es war eine Augenweide, als ich den “jungfräulichen Rumpf” dann vor der Linse hatte.
Man fühlte sich fast in das Jahr 1886 zurückversetzt.
Jetzt sorgen fleißige Hände nach alten Vorlagen dafür, dass “Johanna” pünktlich zum Messetermin ihr einstiges Gesicht zurückerhält.

Liebhaber traditionell getakelter Boote können “Johanna” ab der Saison 2011 selbst segeln. Sie soll einem weiteren Standbein der Werft, dem “Zeesbootcharter”, dienen.
Das Boot mit der Registriernummer FZ 21 auf dem rotbraunem Segeltuch, wird dann sicher auch bei einer der zahlreichen Zeesbootregatten ein elegantes Erscheinungsbild abgeben.


Uwe Grünberg
(Klassenvereinigung der Zeesboote Bodstedt)


Auflistung der erhaltenen Zeesboote mit Klippersteven und Rundgattheck:

Reg. Nr. Bootsname Heimathafen Baujahr
FZ 1 “Old Lady” Greifswald-Wieck 1876
FZ 8 “Heimat” Bodstedt 1884
FZ 21 “Johanna” Barth 1886
FZ 22 “Rümdriwer” Peenemünde 1882
FZ 59 “Pommerland”
Greifswald
ca. 1880
FZ 73 “Un Ick” Rostock 1896
FZ 80 “Conni” Wieck a. Darss 1893



Außerdem gibt es folgende Zeesboot-Repliken (ohne FZ-Nummer):

Bootsname Heimathafen Baujahr
“Smilla” Stralsund/Dänholm 1993
STR. 9
Stralsund/Nautineum 1986/87