Zeesboote, zu hochdeutsch
Zeesenboote genannt, sind an
die
flachen, von der Ostsee durch Inseln, Halbinseln und
Nehrungen abgetrennten inneren Küstengewässer
angepasste
hölzerne Fischersegler. Das
sackförmige Fangnetz "die Zeese" gab den
Booten ihren Namen.
Im
Dänischen werden
sie als Aledrivkvase, Drivkvase
(anfangs Tyskekvase) bezeichnet. Die Entwicklung des
bis
heute vorherrschenden
Bootstyps, hat sich über einen langen Zeitraum hinweg vollzogen.
Als
Arbeitsboote waren Zeesboote im Laufe der Zeit ständigen technischen
Veränderungen
und
Neuerungen ausgesetzt.
Man findet daher heute, auch unter den alten,
noch während
der
Zeit der
Zeesenfischerei gebauten Fahrzeugen, kein Boot mehr
im Urzustand vor. Was die Decksaufbauten betrifft, so hat man je nach
dem
heutigen
Verwendungszweck die Boote entweder
weitestgehend original
zurückgebaut, oder
unter zumeist vertretbaren Kompromissen zum Familienboot
umfunktioniert. Die
Konstruktion des Rumpfes und der Takelage hat sich dabei aber erhalten,
so dass
die Boote wenn sie z. B. bei Zeesbootregatten zuhauf auftreten,
ein
einheitliches Erscheinungsbild abgeben.
Die
ältesten
Plankenbootsfunde Europas (4. Jh. V.u.Z.) gehen auf die Wikinger
zurück. Hierbei handelt es sich um Flachboden
oder Kielschiffe.
1863 -
wurde im Nydam-Moor (Südjütland) ein Langschiff von 22,84m Länge und
3,26m Breite ausgegraben. Es wurde auf das
4. Jh. V.u.Z., die
Zeit um 320 n. Chr. datiert. Das Nydam-Schiff, welches in den
Schleswig-Holsteinischen
Landesmuseen im
Schloß Gottorf bei Schleswig ausgestellt wird, besitzt statt einem
Balkenkiel
eine Bodenplanke (Kielsohle). Es ist ein typisches Fahrzeug des
Ostseeraumes, zur Zeit
der römischen Kaiser. Man geht davon aus, dass Boote des
Nydam-Typs, welche als
Kriegsfahrzeuge (Truppentransporter) gebaut wurden, zur Zeit der
Völkerwanderung - bei der
Übersiedlung der Angeln nach
England - eine Rolle gespielt haben. Beim Nydam-Schiff fand man
erstmals den Einsatz von Nieten vor, mit denen die Planken
des geklinkerten Bootes
untereinander verbunden waren.
1959 - wurde in
Szczecin ein im Schlamm eingebettetes slawisches Plankenboot entdeckt.
Erst 25
Jahre später konnte man,
mit Hilfe neuer Datierungsmethoden, das Boot
auf das
beginnende 9. Jahrhundert bestimmen.
Zwischen
1969 und 1980
hat man
bei Ausgrabungen in Ralswiek auf Rügen ebenfalls 4 slawische Boote aus
dem 9. Jahrhundert freigelegt, die
in der gleichen Bauweise hergestellt wurden. Es waren
geklinkerte Boote, welche in Schalenbauweise errichtet
waren, so wie
wir sie auch heute noch kennen. Die Besonderheit der
slawischen Boote
war, sie hatten keinen Kiel, sondern sie wurden auf einer mächtigen
eichenen
Sohle aufgesetzt.
Auch auf
der Insel Wollin
hat man solch ein slawisches Boot sowie auch eine einzelne Kielsohle
gefunden, die auf das
8. Jahrhundert datiert wurde.
Diese Art des
Bootsbaus hat sich über die Jahrhunderte hinweg erhalten und
weiterentwickelt.
Die Boote wurden
vielseitig genutzt. Sie waren Handels,-
Kriegs- und
Fischereifahrzeug in Einem.
Erst sehr viel später wurden daraus reine
Fischereifahrzeuge.
1315 -
Die älteste bekannte
Erwähnung des Wortes „Seyse“, findet sich in Buggenhagen bei Lassan
am Stettiner Haff. (Seyse = Zeese, steht hierbei
für
ein Fangnetz)
1449 - Der Chronist Johann Beckmann benutzt den Begriff
„Zesekan“ in einer Stralsunder
Chronik.
1541 - In der ältesten bekannten
Haffordnung wird der Zeszekahn genannt. Es
werden 91 dieser
Kähne gezählt. Die Zeesener dieses Reviers waren
in
der „Zeesenerinnung zu Hagen“
organisiert (heute Reclaw bei Wollin).
Über
Alter und Organisation der Innung liegen keine Informationen
vor.
1601
- wird der Zeeskahn in der ältesten
nachweisbaren Stralsunder „Vischer Rulle“, der
Satzung des
Amtes der Zeesner,
als „nathe czesekane“ bezeichnet. Der Ausdruck
„nasser Zeesenkahn“
deutet darauf
hin, dass die Kähne schon einen wasserdurchfluteten
Fischkasten
besaßen.
Das Amt der Zeesner entstand aus einer bereits früher bestehenden
Vereinigung der
Zeesenfischer.
1628
- Am 03. Februar helfen Stralsunder
Fischer mit ihren wendigen Booten das Fahrwasser
zwischen
dem Dänholm und
der Stadt Stralsund zu blockieren und verhindern
so den Einfall der
wallensteinschen Truppen in die Stadt.
1672
- In Wismarer Ratsakten
taucht der Begriff „Zeise“ auf.
1681
- erscheint das Wort „Zeesen“
in der Barther Fischerrolle.
Es hatte sich eine Entwicklung zur
Schleppnetzfischerei hin vollzogen, welche nicht mehr
an
feste örtliche Reviere
gebunden war. Der Netzsack mit dem gefischt wurde, genannt
„Zeese“
(früher auch
Mönchssack), gab dem Bootstyp seinen Namen. Die
„Zeese“ entspricht hierbei
einer
Wade, welche von einem Boot gezogen wird. Der
Zeeskahn besitzt, wie auch das
spätere
Zeesboot, statt einem Balkenkiel eine Bodenplanke
(Kielsohle). Diese
bietet einen geringeren
Widerstand gegen eine seitliche Abdrift. Das
Boot kann so
quer vor dem Wind treiben. Um am
Wind segeln zu können, besitzen die Fahrzeuge
Seitenschwerter.
Die
Zeeskähne des Oderhaffs waren
22m in der Länge messende, 2-mastige
Fahrzeuge von
7m Breite, mit Balkensteven,
zwei Seitenschwertern, zwei festen Luggersegeln
(später Sprietsegel) und Focksegel. Sie
waren auf Kielsohle aufgebaut. Der
Tiefgang betrug
1m. Die Bootslänge von 22m resultierte daraus, dass
der Netzsack durch das vor dem
Wind
treibende Boot offen gehalten werden musste. Die Besatzung bestand aus 5-6
Mann.
Seit dem frühen Mittelalter lag die
Fischereigerechtigkeit bei den Städten. Die Fischerei
in
den Dörfern wurde
niedrig gehalten. Erst nach dem Ende der Leibeigenschaft
und mit der
Einführung der Gewerbefreiheit,
hat sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Zeesenfischerei
in den Dörfern der
Boddenkette entfaltet. Zur Blüte
der Zeesenfischerei gab es hier auch
zahlreiche
kleine Werften.
Am Stettiner Haff hingegen, kamen
die Fischer schon sehr früh aus den Dörfern. Aus der
Haff-Zeesenfischerei heraus, hat sich die des Stralsunder
Reviers entwickelt.
Die
Stralsunder Zeeskähne sollen sich in Größe
und Ausführung von denen des Stettiner
Haffs
unterschieden haben. Über ihr Aussehen liegen uns
allerdings erst Beschreibungen
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Stralsunder
Amtszeesner gaben folgende
Beschreibung:
Es waren auf Sohle aufgesetzte, geklinkerte,
spitzgatte Fahrzeuge von 13m Länge. Sie waren
einmastig und hatten einen
festen Klüver- und Achterbaum. Die Besegelung
bestand aus
losem
Klüver, Stagfock sowie baumlosem Gaffelgroßsegel.
Wahrscheinlich
wurde zu früherer
Zeit auch ein Sprietsegel gefahren.
Die
Stralsunder Zeeskähne hatten
eine Besatzung von 2-3 Mann.
1800 - Etwa
um diese Zeit
entwickelte sich ein kleinerer, aber effektiverer Bootstyp - das Zeesboot.
Dieses erreichte nur die
Hälfte der Länge und der Breite der großen Zeeskähne.
Die
Entwicklung zum Zeesboot scheint
sich von den Fischerdörfern
aus, in das
sundische
Revier hinein vollzogen zu haben. Viele
Familienväter fuhren auf einem
Segelschiff zur See. Der meist schon greise Vater ging
mit dem Enkel (bzw. mit einem
noch minderjährigen Jungen) zum Fischen. Durch
neuartige lange Driftbäume,
die ausgefahren
werden konnten, war auch beim Einsatz kleinerer Boote,
das gleiche
zum Aufhalten des Netzes
erforderliche Maß von ca. 17m
zu erreichen, wie beim Zeeskahn.
Die
kleinen Zeesboote waren wendiger und durch
die auf 2
Mann dezimierte
Besatzung
effektiver,
als die schwerfälligen
Zeeskähne.
Die Art der Takelung hatten die Seeleute unterwegs
auf
ihren Reisen, auf der Elbe, in
Holland und an
der englischen Küste
gesehen.
Es
gab das Gemeinschaftsprinzip, bei
dem Großvater/Enkel, Vater/Sohn oder zwei Brüder
zusammen fischten und das
Anteilfischerprinzip, bei dem der Schipper (2/3), zusammen
mit
seinem Knecht bzw. Maat
oder Macker (1/3), fischte.
1858 -
findet sich ein erster
aktenkundiger Beleg für das Wort „Zeesboot“, und zwar im
Zusammenhang
damit, dass für alle
Zeesboote ein wasserdurchfluteter Fischkasten
vorgeschrieben
wird. Dieser ist zu
dieser Zeit noch vor der Besanducht angeordnet. Er
ist
durch 2 Querschotte
eingefasst.
1869
- Das
Parlament des
Norddeutschen Bundes erlässt ein neues Gewerbegesetz. Es wird u.
a.
die „Wohnpflicht“ aufgehoben. Das gibt
der
pommerschen Zeesenfischerei die
Möglichkeit
zu expandieren.
Daraufhin unternimmt eine ganze Flotte pommerscher Zeesboote
in den folgenden
Jahren mehrere Fangfahrten
an die Schleswig Holsteinische Küste. Sie sind
dort
nicht gerne gesehen. Man
befürchtet die Überfischung des Gebietes mit Auswirkung
auf die hier vorherrschende Kleinfischerei. Die
Schleswig Holsteiner ignorieren das
neue
Bundesgesetz, berufen sich auf ihr altes Gewerbegesetz
und verbieten die Zeesenfischerei in
bestimmten Gebieten per Polizeiverordnung.
Pommersche Fischer
werden
daraufhin mehrfach
abgestraft und ausgewiesen.
1870 -
Danach weiten die Pommern
ihre Aktivitäten auf die dänische Küste aus. Diese weit
entfernten
Fangzüge werden nur
deshalb möglich, weil Fischhändler vom Stettiner
Haff
mit ihren Fischquatzen die
gesamte südliche Ostsee unter ihrer Kontrolle haben.
Doch
auch in Dänemark nimmt der
Widerstand gegen die Zeesenfischerei die gleichen
Züge
an, wie in Schleswig
Holstein. Dennoch lassen sich pommersche Fischer in
Dänemark
nieder. 1871 wird das erste
Stralsunder Zeesboot nach Dänemark
verkauft.
1870
- Etwa
um diese Zeit wird bei
den Zeesbooten eine Modeerscheinung von den
Großseglern
übernommen. Sie werden nun mit Klippersteven und
Rundgattheck
gezimmert. Der Rumpf erhält eine kraweele
Beplankung. Die Fischer nennen die
Boote nach der
alten Bauweise mit spitzem
Heck spöttisch: „Lütt Spitzmors“.
1872 - gibt
es in Stralsund nur
noch 7 der alten Zeeskähne. Ihnen stehen 68 kleine Zeesboote
gegenüber.
Beide Bootsformen haben bislang nebeneinander existiert.
1872
- In
Dänemark tritt ein neues
Fischereigesetz in Kraft. Durch ein Missverständnis des
dänischen
Fischereikonsulenten, wird
das Wort „Zeesen“ mit dem englischen Wort
„Trawl“,
d.h. mit der englischen
Baumtrawlfischerei, gleichgesetzt. Somit wurde die
Zeesenfischerei
an der dänischen
Küste illegal. Erst 15 Jahre später brachte man die
Dinge
in Ordnung.
1880 - Stralsund
galt lange Zeit als Zentrum
der Zeesenfischerei. Hier werden zu dieser Zeit
110
Zeesboote gezählt. Diese Zahl
wird durch ein Ratsdekret vom 20. September auf
80
reduziert. Fischer, die keine
Erlaubnis zum Zeesen mehr erhalten haben, weichen
zum
Salzhaff, in den Wismarer Raum, an
die Schleswig Holsteinische Küste und nach
Dänemark
aus. Bereits 1850 sind, den
Kirchenbüchern nach, Barhöfter Fischer in das
Wismarer
Gebiet abgewandert.
Boote die aus dieser Region stammen, weisen gegenüber
den pommerschen Vorbildern geringe
Unterschiede in Aufbau und Takelung auf.
Die Fischer haben neben der
Fischerei mit ihrem Booten auch
anderweilige Arbeiten
durchgeführt. So z.B. den Transport von Getreide oder
Kartoffeln während der Erntezeit
(z. B. von der Insel Rügen nach Stralsund). Auch Steine und Sand wurden
transportiert. Kleine
Zeesboote
wurden zum Steinezangen an der Rügenschen Küste, wie z.B. am Vilm,
genutzt.
Hierbei haben 2 Boote zusammen über ihr Piekfall „die Brocken“ mit
großen
Zangen aus
dem Wasser in die Boote gehievt. Die größeren Zeesboote haben z.B.
Sand vom Stubber
abtransportiert. Große, schwere Zeesboote, die bei wenig Wind
nicht gerade die besten
Segeleigenschaften besitzen, wurden daher auch etwas
spöttisch als „Sandsegler“ bezeichnet.
Die Abtragung von Steinen, Kies und Sand
für den Haus und Straßenbau hat dazu
beigetragen, dass der Stubber mit
den Jahren immer mehr dezimiert und letztendlich ganz,
unter der Kraft der Natur, im Greifswalder Bodden
verschwunden ist.
1880
-
wurde der letzte Wolliner Zeeskahn
für 4000 Taler gebaut.
1880
- Das
schon 1815 in Chikago
vorgestellte Mittelschwert wurde auf der
internationalen
Fischerei-Ausstellung
in Berlin gezeigt.
Es beginnt sich nun auch in unseren Breiten
durchzusetzen.
1884
-
werden im Bereich der Oberfischmeisterei Stralsund 318 Zeesboote
gezählt.
1885 -
Die letzten 3 Stralsunder Zeeskähne werden nur noch als Hälterfahrzeuge
(Fischlieger, plattdt. Fischligger)
benutzt.
Die
effektiveren Zeesboote haben nach und nach die Zeeskähne
im Stralsunder Revier verdrängt.
1886 - wird
die Zeesenfischerei in
Schleswig-Holstein untersagt.
1889
- um die Rechte der
Zeesenfischer zu sichern, wird die alte
Stralsunder Fischer Rolle
von 1601
den veränderten
Zeitumständen angepasst.
1890
- Der
Begriff
„Treibzeesenfischerei“ wird von Amts wegen eingeführt.
Er steht für eine Grundschleppnetzfischerei, welche von nur einem Boot
aus, ohne
Motorkraft und ohne Scherkörper durchgeführt wird.
1894
- Auf
dänischen Werften, auf
der Insel Fejø, entstehen die ersten Åledrivkvasen.
Bei Christian Nielsen werden bis zum
Jahr 1914, 40 Zeesboote nach pommerschen Vorbild
gebaut. Nielsen setzt einen
eingedeckten Fischkasten ins Mittelschiff, in
Fußbodenhöhe. Dieser ist mit einem Eingabeschacht
(Trumf) versehen.
Diese, die
Sicherheit an Bord erhöhende
Neuerung, genannt der „Dän’sche Däken“, wird
nach 1900
auch von allen
pommerschen Booten übernommen.
Die in Dänemark gebauten Boote
wurden allesamt in Klinkerbauweise ausführt. Auch
auf
vielen anderen Werften im
südlichen Dänemark werden jetzt Tyskekvasen
(deutsche
Quatzen) gebaut. Vor
dieser Zeit wurden, bis in die 90er Jahre hinein, 50
– 100
Boote aus Pommern nach Dänemark
verkauft.
1895
-
Die meisten der Stralsunder Boote sind mit einem Mittelschwert ausgerüstet.
Dadurch wird
der zum Wechsel
des Seitenschwertes vorgesehene
Schwertgang,
vor dem Segelbalken,
überflüssig. Das Deck wird nun bis an den Segelbalken
herangezogen. Die sonst
glatt auf
Deckshöhe abgeschlossene Vörunnerkappe
wird
jetzt über Deck erhöht und mit einem
Niedergang
ausgeführt. Die ältere Ausführung ist beim Museumsboot
STR. 9 zu finden!
Die Stralsunder Zeesboote waren zu dieser Zeit allesamt schon ketschgetakelt; d.h.
1 ½-mastig,
mit losem Klüver, Stagfock, baumlosen Großsegel,
Gaffeltopsegel und
Luggerbesan
ausgestattet. Auf Hiddensee, im mecklenburger Teil der Boddenkette, als
auch im Wismarer Raum, kamen auch kuttergetakelte
Boote (ohne Besan) zum Einsatz.
Beide
Takelungsarten haben sich bis
heute bei den Zeesbooten erhalten.
Nach
1900 -
werden wieder die
alten Bootsformen mit konvex ausgeführten
Vorsteven und
Spitzgattheck gebaut, aber weiterhin
zumeist mit kraweeler Beplankung.
In
Lauterbach/Rügen,
Greifswald-Wieck und an der Darßer Boddenkette werden die
ersten
Zeesbootregatten ausgetragen.
1908
- Die
Zeesenfischerei am
Stettiner Haff wird endgültig verboten. Der nachweislich durch
Wasserbaumaßnahmen zurückgehende Fischbestand, wurde zu Unrecht den
Zeesenfischern
angelastet. Die letzten Zeeskähne wurden
abgewrackt oder zu Fracht-
bzw. Hälterfahrzeugen
umgebaut. Durch die bis dahin auf die Zeeskähne fixierte Zulassung und
durch die in diesem
Gebiet später dominierente Garnfischerei,
konnte sich eine
Fischerei mit Zeesbooten im
Oderhaff nicht entwickeln. Erst nach dem 2.
Weltkrieg wird im Haff vereinzelt mit dem
Zeesboot
gefischt.
1927 - Ein
Stralsunder Fischer
baut den 1. Hilfsmotor in sein Zeesboot ein. Die Fischer erhalten
Reichsdarlehen, um den Einbau der Glühkopfmotoren finanzieren zu
können. Zur Hebung der
Fischerei (Organisation der Fischerei, zur besseren Versorgung der
Bevölkerung mit Fisch)
haben sich vielerorts Fischereivereine gegründet, welche die Fischer
bei den Formalitäten
unterstützen. Durch
den Einbau der Motoren
weicht der Fischkasten, falls er sich noch vor der
Besanducht
befindet, in den Bereich
neben bzw. hinter das Schwert. Bedingt durch die
Höhe
der Glühkopfmotoren, entstehen kleine
Maschinenkappen auf dem Achterschiff,
die später
zur hinteren Kappe ausgebaut werden. Durch den Motoreinbau verändert
sich auch die
Form
des Achterstevens.
1935
- Der
letzte Stralsunder
Zeeskahn, welcher noch über 40 Jahre als Hälterfahrzeug (Ligger)
gedient hatte, wird
abgewrackt.
1939 - 1945
Der
2. Weltkrieg hat seine Auswirkungen
auf
die Zeesenfischerei.
Nach 1945 kommt das
Gewerk nur zögerlich wieder
in Gang. Neue Zeesboote
werden kaum noch gebaut. Man setzt
auch artfremde Boote
zum Zeesen ein. Auch manche
Frau ist zu dieser Zeit mit an Bord.
Zeesboote werden zur Munitionsbergung in
den Häfen und an der Küste eingesetzt.
1950er -
Von den 50ern, bis Ende der
60er Jahre, kommt es in den Boddendörfern der Barther
Boddenkette sowie auf Fischland/Darß zu einer
Renaissance
der Zeesenfischerei.
Die
Fischer aus den Boddendörfern
zeesen auf Pacht im Großen Jasmunder
Bodden und
im Greifswalder Bodden. In der Saison 1956 sollen bis zu 35 Boote
in Päckchen im Ralswieker Hafen
gelegen haben. Die
Fischer fuhren übers Wochenende
mit öffentlichen Verkehrmitteln nach Hause in die Boddendörfer, die
Boote blieben in Ralswiek.
Bis zur Deutschen Einheit (1990) sind mittlerweile mit Ruderhaus versehene, zum Kleinkutter
umgerüstete ehem. Zeesboote,
z.B. in der
Heringssaison
und an den Reusen im Einsatz.
1958 - Das 1928 in den
Fischereiverein integrierte Stralsunder Amt der Zeesener wird aufgelöst.
1965
- Der
Bodstedter Ekkehard
Rammin organisiert die 1. Bodstedter Zeesbootregatta. Ekkehard
fährt mit dem Motorrad um
den Bodden und versucht die Fischer für seine Idee
zu begeistern.
8
Fischer kann er für die erste Wettfahrt gewinnen, unter der Bedingung,
dass er für evtl.
Schäden
an den Booten aufkommt. Bei starkem Nordwest, mit
Stärken von 5-7 Bft., kommt
es
auch promt zu zwei Mastbrüchen. Diese erste Regatta
gewinnt der Fischer Helmut
Lange
aus Pruchten mit seiner PRU. 3 (heute FZ 71). Nach
den ersten Zeesbootregatten kommt
es,
Dank der Initiative von Ekkehard Rammin
dazu, dass immer mehr
Sportsegler sich für die
alten Fischersegler interessieren. Nach und nach geht
das noch
verfügbare Material in deren
Hände
über, wo
es liebevoll erhalten wird. Im Rahmen der Zeesbootregatten werden auch
Schaudriften mit Zeesbooten
durchgeführt, unter der Auflage, dass mit offenem Netzsack
gefischt wird.
1974
- An
einem Sommerabend zeesen
Bodstedter und Pruchtener Fischer im Stralsunder
Stadtrevier.
Um nicht zu sehr
aufzufallen, lagen sie tagsüber im kleinen Yachthafen am
Rügendamm.
Als Stralsunder
Stadtfischer davon Wind bekommen, klagen sie ihre
Rechte
beim Fischmeister ein. Die
fremden Fischer hatten illegal innerhalb der im
Jahre
1314 festgelegten Stralsunder
Fischereigrenzen gefischt und wurden abgestraft!
1977 - Diese Jahreszahl besiegelt das Ende der
Zeesenfischerei im Wismarer Raum. Im Salzhaff ist
man zur Fischerei mit Aalketten übergegangen. Zeesboot-Driften
lohnen sich nicht mehr.
Zum Ende der siebziger Jahre stirbt dieses uralte Fischereigewerbe dann
auch in den anderen
Gebieten aus. Ein Grund dafür war sicher auch der Übergang zur
staatlich subventionierten
Fischerei mit Großreusen und der damit verbundene Aufschwung der
Fischereiproduktionsgenossenschaften (FPG).
1980 - Nur noch 2 Fischer haben Erlaubnisscheine zum Zeesen
beim Stralsunder Fischmeister
beantragt. Es sind Karl-Heinz Kafka aus Born (BOR. 4)
und
der Renter Max Heise aus
Stralsund (STR. 13).
Für das Salzhaff hat der Reriker Fischer Reinhard Techel noch einen
Erlaubnisschein inne.
Er zeest gelegentlich, zusammen mit seiner Frau Susanne, noch bis zum
Jahr 1990.
Sein weitestgehend original erhalten gebliebenes Boot segelt heute
noch unter der
Registriernummer FZ 89.
1982
- Der
Fischer Andreas
Schönthier hat mit dem ehem. Boot von Fischer Kafka (jetzt WUS.
7) in
den Sommermonaten
die Zeesenfischerei im
Großen Jasmunder Bodden wieder aufgenommen.
1985 - 1. Wustrower Zeesbootregatta
1987
- 19 Zeesboote nehmen an der Parade zur 750-Jahrfeier Berlins
teil. Sie fahren über das
Stettiner Haff und werden dann die Oder hinauf, bis nach
Eisenhüttenstadt geschleppt.
1989
- 1. Dierhäger Zeesbootregatta
1990 - Nach der Deutschen Wiedervereinigung fallen durch
die Auflösung von
Fischereiproduktionsgenossenschaften (FPG's), bzw. wegen
Modernisierung, nochmals eine Reihe
von ehem. Zeesbooten und Strandbooten aus der Fischerei heraus. Die
Flotte
der
Traditionsboote
gewinnt daher noch einmal kräftig an Zuwachs.
Erstmals gibt es, unter
Federführung von Ekkehard Rammin, wieder Kontakte nach Dänemark.
5 Zeesboote
nehmen erstmals am Drivkvasentreffen und der Regatta auf der kleinen
Insel Fejo
teil.
In den 90er Jahren wird die Schleppnetzfischerei innerhalb
der 3 Meilenzone verboten.
Somit ist auch der Zeesenfischerei in den Boddengewässern die
gesetzliche Grundlage
entzogen.
1994 - 1. Althäger Fischerregatta
2001 - 1. Barther Zeesbootregatta
2001 - erhalten erstmals wieder zwei Zeesboote eine
Sondergenehmigung für die Treibzeesenfischerei.
Es erfolgte eine genaue statistische Datenerfassung zur
Fischereidurchführung und
Fangauswertung in einem speziellen Driftprotokoll.
2002 - Im Mai wird unter Leitung von Andreas Schönthier der
"Verein der Zeesner e.V."
gegründet, mit dem Ziel die Driftfischerei unter Segeln der Nachwelt
zu erhalten und
interessierten Menschen zu demonstrieren.
2003 - 1. Zingster Zeesbootregatta
2005
- In der novelierten Küstenfischereiordnung des Landes M-V wird
die Treibzeesenfischerei
wieder unter
entsprechenden Auflagen erlaubt. Seitdem wird jährlich die
Zeesenfischerei
(als Versuchsfischerei), auf
Antrag des Vereins der Zeesener,
zum Zwecke der Traditions-
pflege und des Erhalts alter
Fischereitechniken durchgeführt.
2006 - Der
Pruchtener Fischer
Horst Grählert hat, zusammen mit seinem Sohn, die
Zeesenfischerei unter Segeln, zu Versuchs- und Demonstrationszwecken,
wieder
aufgenommen. Das Zeesboot "Paula" (PRU. 7),
welches
in den letzten Jahren als
Kleinkutter
fuhr, wurde wieder zum Zeesen ausgerüstet.
Die Zeesboote "Sannert" (FZ 33 / WUS. 7) und
"Richard D." (FZ 94) nehmen ebenfalls
jährlich im September an den Schaudriften des Zeesner Vereins vor
Althagen teil.
Ca. 10 ehem. Zeesboote sind auch heute noch als Kleinkutter bei
den Boddenfischern
im Einsatz. So zum Beispiel auf Ummanz, in Stahlbrode, in Stralsund
oder Bodstedt.
2007 - Seit Ende des Jahres gelten bzgl. der
Personenschifffahrt mit Zeesbooten neue Sicherheits-
bestimmungen
(Zeesbootrichtlinie). Der Skipper muss nun im Besitz eines modifizierten
Schifferpatents
(C1) sein und ein Funkzeugnis besitzen. An Bord muss sich eine
betriebsbereite
Funkanlage befinden. Zusätzlich muss ein zweiter Mann (Decksmann)
an
Bord sein, der
mindestens im Besitz eines Schifferdienstbuches ist.
Diese und weitere auf dem Boot
umzusetzende Sicherheitsbestimmungen,
zwingen einzelne
Skipper zur Aufgabe der gewerblichen Gästefahrten.
2010 - Am jährlichen "Vereinszeesen" in Althagen nimmt
auch das Zeesboot FZ 104 "Bernstein" teil.
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