Rostock, den 14.11.2015 - 20:00 Uhr

 

Heute einmal ein Beitrag von der alten Braune-Segel Seite, der auch hier wieder seinen Platz finden soll. Bei den Rundgattbooten, wie "Johanna", handelt es sich um die ältesten erhaltenen Zeesboote. Dieser Bootstypus wurde zwischen 1870 und 1900 gebaut.

  

 

Auf der Hanseboot 2010 wartete die Barther Holzbootwerft Rammin mit einem ganz besonderen Schmuckstück auf. Ein fast 125 Jahre altes pommersches Zeesboot aus dem Jahre 1886 befand sich noch bis kurz vor dem Messetermin in einer der Schiffbauhallen zur Rekonstruktion. Nun gehören diese auf den Boddengewässern beheimateten, ehemals mit ihrem Treibnetz quer vor dem Wind driftenden Fischersegler bei Rammin zwar sozusagen “zum Alltagsgeschäft“. Aber bei “Johanna” handelt es sich um eines der seltenen Rundgattboote, von denen insgesamt nur noch sieben Exemplare erhalten sind. Gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, setzte sich auch beim Bau von Zeesbooten eine Modeerscheinung aus dem Großschiffbau durch. Die Rümpfe wurden, wie bei den großen Klippern, in Kraweelbauweise mit weit nach vorne gezogenen konkaven Vorsteven und ebenso nach achtern geschwungenem breiten Heck (Rundgatt) ausgeführt. Bei einigen dieser ältesten erhaltenen Zeesboote ist noch der so genannte Schwertgang zu sehen, über welchen das schwere Seitenschwert von einer Seite zur anderen gewuchtet werden musste. Dieser wurde mit der Einführung des Mittelschwertes später überflüssig. Nach 1900 sollte sich bei den Zeesbooten dann wieder die Bauweise mit spitzgattem Heck und konvexem Vorsteven durchsetzen.

 

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Als STR. 10 “Waldemar” leistete das genannte Boot noch bis 1975 dem Stralsunder Fischer Alfred Hübner seine Dienste und wurde dann als “Dwarsdriwer” von einem Freizeitsegler übernommen. In den 1990er Jahren war der Zeesbootrumpf nach einem Eignerwechsel dann erstmals zu Gast in Barth auf der Werft Rammin. Hierbei wurde der zwischenzeitlich einmal eingesetzte konvexe Vorsteven wieder durch den einst original vorhandenen Klippersteven ersetzt. Dessen alte Sponung war noch am Verlauf der Planken zu erkennen. Der folgenden Neubeplankung des Rumpfes fiel damals der Bereich des einst wasserdurchfluteten Fischkastens mit den bereits dichtgepfropften Planken zum Opfer. Durch den Umbau zum Familienboot wurde dieser Platz  für einen großen Kajütaufbau benötigt. Leider führten diese zeesbootuntypischen Aufbauten, nach Eignerwunsch, zu einem Stilbruch. Aber immerhin wurde mit der damaligen “Nenni” eine seltene alte Rumpfform erhalten.

Im Jahr 2010 hatte Bootsbaumeister Nils Rammin die Gelegenheit, das Boot wieder käuflich zu erwerben. Sein Entschluss stand schnell fest. Es soll zurück gebaut werden und wieder seine zeesboottypische Raumaufteilung erhalten. Es war eine Augenweide, als ich den “jungfräulichen Rumpf” dann vor der Linse hatte. Man fühlte sich fast in das Jahr 1886 zurückversetzt. Fleißige Hände sorgten dafür, dass “Johanna” pünktlich zum Messetermin ihr ursprüngliches Gesicht zurück erhielt. 



Uwe Grünberg

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