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Rostock, den 02.03.2015 - 21:00 Uhr

 

Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht, als ich kürzlich in einem Antiquariat die Ausgabe eines Statutes des "Stralsunder Amtes der Zeesener" von 1892 fand.

Die bis ins Jahr 1601 zurückreichende Vischer-Rulle (Fischer-Rolle) des Amtes der Zeesner soll aus einem bereits weitaus älteren Zusammenschluss hervorgegangen sein. Diese Satzung regelte über 300 Jahre hinweg alle Bereiche des Berufslebens der Stralsunder Zeesenfischer. Im Jahr 1892 wurden die alten Regeln des Zeeseneramtes überarbeitet und in eine zeitgemäße Form gebracht. Einer der Altermänner und zudem auch einer der letzten Verwalter der Amtslade, war zu dieser Zeit der Zeesenfischer Carl Waltenberg. Aus Anlass der bevorstehenden Neuregelung, hat Carl Waltenberg bereits im Jahr 1889 die alte Fischerrolle vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche übersetzt.

Die neue Satzung lag jedem Amtsbruder jetzt in Druckform vor: "Statut des Zeesener-Amtes zu Stralsund"


Von Carl Waltenberg ist außerdem folgendes Gedicht überliefert, welches er anläßlich der Feierlichkeiten zum 300 jährigen Julibläum des Zeeseneramtes schrieb:

Das Stralsunder Amt der Zeesener

Wenn der Frühling mit Macht zieht in's Land,

dann bricht das Eis, dann belebt sich der Strand.

Dann rauscht die Welle, dann braust der Wind

ins Pommernland hinein,

durchbricht die Sonne das Wolkenband und leuchtet mit hellem

Schein!

Dann zieh'n hinaus in schneller Fahrt die Fischer kühn dahin,

sie suchen ihr Brot stets in Gefahr und frohem, heit'ren Sinn.

Du Strelasund, Du blaue Flut, Du Heimat lieb und treu,

wenn Deiner Kämme Wasserschaum spritzt hoch auf's Land auf's neu.

Wir fürchten nichts, es stählt den Mut,

zu neuer Fahrt, zu neuem Fang in Deiner blauen Flut!

Am Pommernstrand, als „Eick am Sund", ist Stralsund wohlbekannt

und auch als Wacht für Fischerei steht dort ein starker Mann!

Oft schütteln Wind und Wetter ihn, doch hält er treu die Wacht,

um seine Fahne scharten sich Großvater, Vater und Kind.

Stets schuf er Gutes, stets schützte er Freiheit für die Fischerei.

Es drängt heran die neue Zeit, doch dieses rührt ihn nicht!

Den Blick voraus! Das Steuer hält noch heute der alte Mann!

Laßt Stürme brausen, Ihr Jugend von heut,

Laßt Feinde zerren am Heimatland.

Doch wanket nicht, sondern schließt Euch fest

zu starker Einigkeit!

Und haltet hoch, weil stets so war der Brauch,

das alte Zeesener Amt !

Der Schreiber, dieser mit Patriotismus und Berufsehre erfüllten Zeilen, verstarb im Jahr 1942.

Seine Enkel Carl und Kurt Waltenberg, erlernten aus der Familientradition heraus ebenfalls den Beruf des Zeesenfischers. Sie zeesten im Nebenerwerb noch bis 1984, zusammen mit Max Heise auf dessen Zeesboot STR. 13 "Albatros" (heute FZ 8 "Heimat"). Somit gehörten sie zu den letzten aktiven Zeesenfischern im Stralsunder Revier.


Enkel Carl Waltenberg - auf Nachtdrift mit STR. 13 "Albatros" - Foto: Zeesbootarchiv Hermann Winkler

1928 gingen die wenigen noch übrig gebliebenen Amtsgenossen des Zeeseneramtes in den "Fischereiverein - Amt der Zeesener Stralsund" - mit nur noch 50 Mitgliedern über. Dieser bereits aus Mitgliederschwund gegründete Verein wurde schließlich im Jahre 1958 ganz aufgelöst.



Für die Zuarbeit zu diesem Artikel möchte ich mich ganz herzlich bei den Stralsundern Walter Ribbeck und Willi Frankenstein bedanken.

Uwe Grünberg

Quellen:
Statut des Stralsunder Amtes der Zeesner (Sammlung Uwe Grünberg)
Zeesenergedicht (Sammlung Walter Ribbeck)
Hermann Winkler "Zeesboote - Segler durch die Zeiten"

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