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Rostock, den 13.03.2015 - 11:30 Uhr

 

Als Reaktion auf den Bericht über das Stralsunder Amt der Zeesener ist weiteres Material zu diesem Thema eingegangen. Zum einen geht es noch einmal um die Zeesenerfamilie Waltenberg und zum anderen um die alten Räucherhäuser an der Sundpromenade, die ebenfalls mit dieser Familie im Zusammenhang stehen.

Nachfolgend also der Artikel "Räucherhäuser" von Willi Frankenstein:

Ein Freund schenkte mir ein Gedicht des Fischers Carl Waltenberg (†1942) und riet mir, mich bei den Räucherhäusern an der Sundpromenade umzusehen, falls ich mehr erfahren möchte. Die Eigentümer gaben Auskunft, hellten den düsteren Raum auf und belohnten meine Neugier.

Carl, 1857 in Stralsund geboren, wurde mit 21 Jahren ein Lebensretter. Eine öffentliche Mitteilung und ein Brief der „Königlichen Regierung zu Stralsund“ an ihn, fanden sich im Nachlass. Er rettete zwei Knaben vor dem Ertrinken, die auf dem Frankenteich durch das Eis gebrochen waren. Für seine Opferwilligkeit und Entschlossenheit erhielt er eine Prämie und eine Medaille. Seine mutige Tat machte ihn stadtbekannt.

Als „Schaffer“ im „Zeesener-Amt zu Stralsund“ führte er das Amtsbuch und verwaltete die Amtslade. Er übersetzte die Vischer-Rulle aus dem Plattdüütschen ins Hochdeutsche und schrieb 1901 zum 300-jährigen Jubiläum ein Gedicht für das Amt und den worthabenden Altermann. Darin besang er Stralsund als „Eick am Sund" und als Wacht für Fischerei. Eine neue Zeit drängte heran und er forderte die Amtsbrüder auf, das Amt hoch zu halten, so wie es stets Brauch gewesen war.  

1908 zog er aus der Altstadt in eines der beiden Häuser in der damaligen Strandstraße. Zuvor hatte der Fischer Joachim Kleinoth nahe dieses Grundstücks eine Badeanstalt errichtet. Diese übernahm Carl Waltenberg 1913 und betrieb sie über Jahre. Erst 1922 wurde eine stadteigene Badeanstalt eröffnet. Bei Horst Prignitz in „200 Jahre Badelust am Sund“ las ich, dass er von der Stadt finanzielle Hilfe bekam, als sich sein Unternehmen nicht mehr lohnte. Als man ihn im Kriegsjahr 1918 zum Militärdienst einziehen wollte, ließ er sich ausmustern, um die Badeanstalt überhaupt öffnen zu können.

Christian Waltenberg, ein Ur-Enkel, zeigte mir einen Hafenausweis, der an Schicksalstage im November  erinnert. Mit diesem Ausweis war der Ur-Großvater in den Kriegsjahren berechtigt, das  gesperrte Hafengebiet zu betreten. Während im Jahre 1917 ein Offizier der Garnison stempelte,  verlängert im Dezember 1918 der „Arbeiter- und Soldatenrat Stralsund“ mit seinem Stempel diesen Ausweis. Es ist schon spannend, so bildlich an die Novemberrevolution in Stralsund erinnert zu werden. Dank an Ur-Enkel Christian für das Bewahren.

Sein Sohn Carl und beide Enkelsöhne wurden ebenfalls Zeesener. Ihre Boote ankerten am nahen Ufer. Alt geworden, gingen die Enkelsöhne Carl und Kurt noch bis 1984 mit dem Altfischer Max Heise im Nebenerwerb auf Drift. Damit endete die Zeesenfischerei am Sund, die mehr als 500 Jahre währte. Damit endete zugleich auch eine Familientradition. Ich kann nur sagen: „Dei Zeesener? Dat wiern ruuge Kierls!“

Diese Räucherhäuser! 1835 im Typ von Ackerbürgerhäusern erbaut, gehören sie zur ältesten Bebauung in der Kniepervorstadt. Nördlich des Bootshauses am beginnenden hohen Ufer schmiegen sie sich an die Böschung an. Als zwei der wenigen fast unverändert erhaltenen Gebäude dieser Art und aufgrund ihrer besonderen Lage am Sund, sind sie sowohl von architektonischer als auch von städtebaulicher Bedeutung. Sie sind Denkmale, wie die Sundpromenade auch.

In ihnen wohnten Räucherer, Bauern, Zeesener und auch Badewärter. Heute sind es Wohnhäuser ohne Gewerbe mit Hausgärten, umzäunt von Baum und Strauch. Zwischen der Promenade und der Hohen-Ufer-Straße ist das Wiesenstück mit der Schwarzpappel und den Fachwerkhäusern pittoresk anzusehen.

Horst Schacht, ein ehemaliger Lehrer, der im Jahre 1980 eines der Hauser käuflich erworben und in aufwändiger Arbeit saniert hat, sagte: „Wenn ich von meinem Grundstück aus auf den Sund schaue, dann sind alle Mühen vergessen. Für mich kann es gar keinen besseres Platz zum Wohnen geben, als hier bei Well‘- und Wogenrauschen.“ 

Stralsunder Kunstmaler hatten von hier aus die Silhouette der Altstadt gemalt und die Häuser mit ins Bild genommen. 1896 malte Paul Hückstädt und 1945 Erich Kliefert. Auch mir erging es wie den Malern; ich musste die Räucherhäuser einfach lieb gewinnen.  

 

Willi Frankenstein

 

Bilder - Mit freundlicher Genehmigung:
Bild 1-7: Christian Waltenberg
Bild 8: Willi Frankenstein

 

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