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Rostock, den 30.05.2015 - 16:00 Uhr

 

Der heutige Beitrag beeinhaltet eine weitere Geschichte aus dem alten Fischerdorf Freest. Er dokumentiert die Entstehung eines plattdeutschen Fischerliedes, welches der ein oder andere vielleicht schon einmal auf einer maritimen Veranstaltung wahrgenommen hat. Herzlichen Dank für die Zuarbeit von Brigitte u. Wilhelm Rabe aus Freest, Gerhard Wöller und der Shantygruppe "Saalhund" und natürlich an Autor Willi Frankenstein, der all diese Informationen akribisch zusammen getragen und in Worte gefasst hat. 

Wilhelm Rabe - "Bit Fischen" oder  „Schwart is dei Nacht“

Als ich die CD „Besanschot an“ erstmals hörte, war ich überrascht, was der Shantychor „Saalhund“ und die Plattdütsch Späldäl to Stralsund alles mit Plattdeutsch machen können. Unter den Shanties und Läuschen vom plattdeutschen Strand ist auch das Lied „Schwart is dei Nacht“, worin ein Moment der Zeesenfischerei besungen wird.

Der Fischer Wilhelm Rabe (1876-1935) aus Freest dichtete drei vierzeilige Strophen mit der Überschrift „Bit Fischen“, Pastor Gustav Häußler vertonte den Text einstimmig-langsam und schrieb das  Lied 1934 in das Heftchen „Uns‘ Freester Chorleeder“. Seitdem gehört es zum Freester-Dorfbesitz und ist deshalb so bedeutend, weil es an der vorpommerschen Boddenküste nur dieses eine plattdeutsche Lied eines Zeeseners gibt.

Fünfzig Jahre später machte es die Volkskundlerin Heike Müns unter der Überschrift „Schwart is dei Nacht“ der Öffentlichkeit zugänglich, und es fand sogleich Interesse beim Shantychor „Saalhund“, der es ins Repertoire aufnahm, vorher jedoch klangschön dreistimmig arrangierte. Die erste Stimme ist für den Schipper, die zweite für den Macker und die dritte für den sich in den Segeln kräuselnden Wind, denn zum Zeesen brauchte man den Wind.


Der Leiter des Shantychors, Gerhard Wöller, schrieb mir: „Da durch unsere langjährige Verbindung zu den Zeesenbootseglern, speziell den Rammins aus Bodstedt, und unsere alljährliche, kulturelle Betreuung‘ der Zeesenbootregatta in Bodstedt seit 1980 ein innerer Bezug zu diesem Lied bestand, habe ich mit Unterstützung meines Sohnes den dreistimmigen Chorsatz hierfür erarbeitet.“

Weiteres wäre über die Nachtstimmung zu sagen, welche aus dem Lied singt. Gezeest wurde meist nach Sonnenuntergang, weil der tagscheue Aal dann eher ins Netz ging. Beim Wellenschlag verwechselte sich die Seele mit dem Zeitenstrom der Nacht, bis dass der Morgenstern den Tag ankündigte und mit dem Fang nach Hause gesegelt wurde. Das Lied ist sinntief und hat Naturschilderung wie die Lyrik eines Brentano, eines Eichendorff.

Es entstand aus Liebe zum Fischerdorf und aus Freude an der plattdeutschen Sprache. Vom Freester Chor wird es inzwischen ebenfalls nach dem Notenblatt des Shantychors „Saalhund“ mehrstimmig gesungen. An Hafentagen in Vorpommern schaue ich mich nach den Chören um und spitze meine Ohren, denn ich kann dieses Zeesenerlied nicht oft genug hören.


 

Willi Frankenstein


Schwart is dei Nacht = (Bit Fischen)

  Schwart is dei Nacht, bewägt dei See

un düster is dat Meer.

Wi sitten einsam in uns Boot

:,: un räden hen un her. :,:

   Dat Nett schleppt langsam œwer’n Grund,

wi hoffen up gauden Fang.

Wi wünschen uns woll föftig Pund,

:,: wat is dei Nacht hüt lang. :,:

Doch endlich, endlich ward dat Dag,

dei Morgenstiern kümmt tau seihn.

Wi führen nahstens gliek na Hus

:,: und Mudder ward sick freu’n. :,:


Quellenangaben:

Bild 1: Mit freundlicher Genehmigung Brigitte u. Wilhelm Rabe Freest
Das Foto zeigt Zeesenfischer Wilhelm Rabe sen. mit Ehefrau Anna (im Vordergrund sitzend) rechts Sohn Wilhelm u. hinten links Schwiegersohn Christian Jarling (Bootsbauer) mit Ehefrau Frieda

Bild 2: Mit freundlicher Genehmigung Bernd Rickelt http://www.ostseeferieninfo.de/

Audiodatei: Willi Frankenstein - Mit freundlicher Genehmigung Shantygruppe "Saalhund" (Gerhard Wöller)

 

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