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Rostock, den 14.01.2016 - 12:00 Uhr


Heute noch einmal ein überarbeiteter Beitrag von der alten Braune-Segel Seite.

Es gibt immer wieder Diskussionen darüber, wie ein Zeesboot wohl im Originalzustand auszusehen hat. Der Gedankenaustausch mit Autor Timm Stütz - im Zusammenhang mit dem Reprint seines Buches "Braune Segel im Wind" - hat mich inspiriert, dazu folgendes zu schreiben:

Auch Zeesboote haben - als Arbeitsmittel im Wandel der Zeit - ständigen konstruktiven Veränderungen unterlegen. Die meisten Boote wurden während ihres Fischereieinsatzes auf dem jeweiligen Stand der Technik gehalten und waren dabei natürlich immer im Originalzustand. Nur durch diese Weiterentwicklung konnte sich einst der Übergang vom schwerfälligen Zeeskahn zum viel effektiveren Zeesboot hin vollziehen.

Für einen Zeesenfischer bestand kein Grund - etwa aus besonderer Neigung zum Ursprünglichen - sein Boot im Bauzustand des Stapellaufes zu belassen. Bei Neubauten flossen diverse Neuerungen gleich mit ein. So war es auch schon um 1880, als man von Seitenschwertern auf das Mittelschwert überging, oder als nach 1900 von den pommerschen Zeesbooten der dän'sche Däken (eingedeckter Fischkasten) übernommen wurde. Aus den Steckmasten, welche ursprünglich durch den Segelbalken führten und auf der Kielsohle in einem Spurklotz verankert waren (bzw. auf einem Kielschwein) wurden über Deck angebrachte Masten; meist Klappmasten. Noch zur Zeit der Fischerei erhielten die meisten Boote einen stählernen, verzinkten Schwertkasten oder ein mit Glasfaserkunststoff (GFK) beschichtetes Deck. Viele Veränderungen dienten der Erhöhung der Sicherheit an Bord. So eben auch der heutzutage übliche Anbau von Stahlsohlen unter dem eigentlichen eichenen Sohlkiel. Dieser zusätzliche Ballast wurde nach dem Wegfall der Fischkästen und durch den Einbau kleiner u. leichterer Motoren notwendig. Wer will schon 1-2 Tonnen an zusätzlichem Innenballast umherfahren?

Man kann nicht von jedem Freizeitsegler erwarten, dass er sein Boot in den Zustand eines Museumsbootes zurückversetzt. Die Unterhaltung solch eines alten Seglers verschlingt Unmengen an Zeit und Geld. Und fast am wichtigsten ist; die Familie muss mitziehen! Es soll daher auch möglich sein, das Boot familiengerecht auszustatten. Die Klassenvorschriften für Zeesboote lassen es z. B. zu, dass die Fahrzeuge mit zusätzlichen Kajütaufbauten versehen werden. Viele Bootseigner sind hierbei vertretbare Kompromisse eingegangen, welche den historischen Eindruck nur wenig schmälern. Der Bootsrumpf und das traditionelle Rigg blieben dabei unverändert erhalten. Ohne diese Kompromisse würden die meisten Boote heute nicht mehr existieren.

Nur knapp über 65 von derzeit 110 mit FZ-Nummer registrierten Booten wurden ursprünglich einmal für die Treibzeesenfischerei gebaut. Bei den anderen Rümpfen handelt es sich zwar ebenfalls um "Sohlenboote", aber mit geringen baulichen Unterschieden, weil diese Fahrzeuge einst für andere fischereiliche Zwecke bestimmt waren (z. B. als Manzen- u. Flundernboote, Strandboote, Wadenboote, Reusenmotorboote u. ähnliches). Diese heutzutage oftmals kritisch gesehene Übernahme in die Zeesbootklasse, war bei den Fischern wiederum nichts außergewöhnliches. Man hat die Rümpfe entsprechend ihrer Eignung verwendet und daher auch kleinere, artverwandte Rümpfe zum Zeesen eingesetzt. So wurde das Zeesboot VIT. 21 des Vitter Zeesenfischers Karl Kollwitz ursprünglich in Peenemünde als Reusenboot gebaut, aber aufgrund seiner Größe später zum Zeesboot umgerüstet. Auch Fischer Walter Moritz aus Fuhlendorf hat sich mit der heutigen FZ 92 "Traudi" im Jahr 1946 bei Dornquast ein kleines Zeesboot bauen lassen, was auf den ersten Blick so gar nicht danach aussieht.

Ich gehe daher einmal vom Begriff "Original" ab und benutze stattdessen das Wort "Tradition".

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn ein Zeesbooteigner sich dazu entschließt, sein Fahrzeug in einem weitestgehend der Tradition entsprechenden Zustand zu erhalten. Das heißt, dass die wichtigsten Ausstattungsmerkmale aus der Zeit der Zeesenfischerei, welche ein Zeesboot als solches auszeichnen, vorhanden sind. Dies schließt in erster Linie die für Zeesboote so typische Arbeitsraumaufteilung ein und reicht bis zum Einsatz traditioneller Decksbeläge. Andererseites hat man heutzutage die technischen Möglichkeiten ein Boot mit zeitgemäßen Mitteln zu rekonstruieren und dennoch das traditionelle Erscheinungsbild zu erhalten. Es gibt moderne Materialen, welche den einst verwendeten optisch nachgeahmt wurden. (z. B. braune Kunststoffsegel oder entsprechendes Tauwerk) Aber da wären wir auch schon wieder beim Thema Geld...

Letztendlich gilt jedem einzelnen Bootseigner der Dank, welcher mit dem Erhalt seines Bootes auch ein Stück Bootsbaugeschichte u. maritimer Kultur bewahrt.


Uwe Grünberg

(Vorstand der Klassenvereinigung der Zeesboote)

Bildquellen:
Bilder 1, 3, 4 (Uwe Grünberg)
Bild: 2 (Sigurd Mönk)

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