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Rostock, den 19.01.2016 - 22:00 Uhr

 

Anfang Dezember 2015 verstarb der Neuendorfer Fischer Max Gau im Alter von 88 Jahren. Max ist mir durch jahrelange Kontakte zu einem guten, fast väterlichen Freund geworden. Neben ihm gibt es nur noch eine Hand voll ehemaliger Fischer, welche die Geschichte der beiden Neuendorfer Fischerpartien und der später folgenden Bootsgemeinschaften wiedergeben können.

Es war einmal vor vielen vielen Jahren...

Genau so könnte die Geschichte um Max Gau beginnen, der im Jahr 1927 in eine Zeit hinein geboren wurde, als Hiddensee noch eine "Insel der Fischer" war. Es war die Zeit der Fischerkommünen. Diese Solidargemeinschaften waren nach dem Genossenschaftsprinzip organisiert. Das Prinzip funktionierte auf Rügen und Hiddensee schon über Generationen, ohne das man das Wort Sozialismus in den Mund nahm.

Es war eine schwere Zeit, aber auch eine Zeit bescheidenen Wohlstandes, die heute u. a. noch im kleinen Fischereimuseum im Süden der Insel nach zu vollziehen ist. Man war Selbstversorger. Das heißt, neben der Herstellung und Instandhaltung der Fischereigeräte, die man anteilmäßig in die Partie einbringen musste, wurde oft noch eine kleine Wirtschaft unterhalten. Selbstverständlich, dass man bereits als Junge in die Versorgung eingebunden war und nebenbei in die Fischerei hinein wuchs. Schließlich ging die Mitgliedschaft in der Fischerpartie vom Vater auf den Sohn über. Zur Zeit von Mäxchens Kindheit waren bereits viele Sommergäste auf der Insel, die beherbergt und versorgt werden mussten. Der Zeit der Garnpartien folgte eine Zeit, in der man in kleineren Bootsgemeinschaften arbeitete, um z. B. Reusen zu setzen. Max stand mittlerweile im Berufsleben. Nach anfänglichem Sträuben, begann zu DDR-Zeiten der Aufbau von Fischereiproduktionsgenossenschaften (FPG's). Im Nachgang bezeichnen viele der alten Fischer, wie auch Max Gau, diese Zeit als die sorgenfreiste ihres Lebens. Sie durften einem Beruf nachgehen, der ihnen sehr viel bedeutete und in welchem sie gegenüber früheren Zeiten ein regelmäßiges, gutes Einkommen hatten. Die Bürden, für welche einst die kleine Fischergemeinschaft selbst aufkommen musste, wurden ihr jetzt vom Staat abgenommen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Fisch war ein wichtiger, von staatlichen Stellen subventionierter Wirtschaftsfaktor. 

Mit dem Aufkommen der Marktwirtschaft wendete sich das Blatt wieder. Sämtliche Altfischer stiegen in der Wendezeit aus Altersgründen aus der Reusengemeinschaft aus. Staatliche und europäische Regularien taten ihr übriges. Seit Jahrhunderten gab es auf der Insel das Gemeinschaftsprinzip und auf einmal wurden die wenigen verbliebenen Fischer zu Einzelkämpfern.

Max Gau ging nach einem erlebnisreichen Fischerleben kurz vor dem Umschwung in die wohlverdiente Rente. Max war noch sehr rüstig - ein richtiger Naturbursche - und er genoss den Ruhestand. Er half Haus und Hof in Schuss zu halten und hatte immer etwas zu werkeln. Ich bewunderte stets seinen schönen Vorgarten, mit den an der Hauswand gut gedeihenden Tomatenpflanzen, außerdem die bunten Rosen und Dahlienstauden. Oft traf ich ihn, wenn er mit seinem Elektrorad auf der Insel unterwegs war und wir hielten einen kurzen Schnack.

Nebenbei schob Max Gau im neugegründeten Fischereimuseum, welches im 1885 errichteten ehemaligen Netz- und Geräteschuppen der „Lüttpartie“ untergebracht wurde, seinen ehrenamtlichen Dienst. Dort lernte ich ihn einst kennen, als er mir mit seiner überaus ruhigen, herzlichen Art bereitwillig Auskunft gab. Er wunderte sich immer wieder, warum ein junger Mann aus Rostock sich so intensiv für die Geschichte der Hiddenseer Fischerei und der Boote interessiert. Auch ein gelegentliches Schmunzeln und einen verschmitzten Blick hinüber zur Ehefrau, welche die "Fragestunden" und die Fachsimpelei scheinbar geduldig über sich ergehen ließ, konnte er sich nicht verkneifen.

Schließlich kam es unter federführender Hilfe von Max Gau dazu, dass die Bootshistorien sämtlicher noch existierender Hiddenseer Boddenboote auf den Registerkarten dieser Webseite vollständig überarbeitet und ergänzt werden konnten. Einmal in Fahrt, recherchierte Max mit seinen Fischerkollegen gleich sämtliche ehemalige Neuendorfer Bootsgemeinschaften. Über die Winterzeit entstanden dann zu diesem Thema Schautafeln fürs Fischereimuseum.


Maxens eigene Berufsgeschichte als Besatzungsmitglied zur Zeit der Reusengemeinschaften sieht folgendermaßen aus: 

1948-1952   NEU. 012 "Hoffnung"
1952-1954   NEU. 007 "Conni"
1956-1970   NEU. 003 "Blitz"
1970-1985   NEU. 016 "Falke"

Schön war es, dass ich Max, als er bereits ahnte, dass er aufgrund seiner Krankheit nicht mehr lange zu leben hat, im Oktober 2014 mein eigenes Boot vorstellen konnte. Bislang hatten wir immer nur darüber geredet und dann war es endlich soweit. Natürlich kannte er das ehemalige Stralsunder Flunderboot und den Fischer aus seinem Arbeitsleben. Prompt wühlte Max seinen Dachboden durch und am nächsten Morgen lag ein kleiner Haufen an Utensilien auf seinem Hof, die ihm fürs Boot noch als nützlich erschienen. Über diese nette Geste habe ich mich besonders gefreut.   

Neben seinen Berufskenntnissen fiel an Max seine große Naturverbundenheit und ein hohes Allgemeinwissen auf. Ich erlebte, wie er Zuarbeit zum Büchlein "Pflanzen auf Hiddensee" aus der Hiddenseereihe leistete. So konnte er als Ortskundiger beispielsweise wertvolle Hinweise zu geografischen Besonderheiten sowie zu Stellen mit seltenen Pflanzenvorkommen seiner Heimatinsel geben und auch gleich die lokalen plattdeutschen Bezeichnungen dazu liefern.


Am 11.12.2015 verstarb Max Gau nach langer Krankheit. 

Max, Du wirst mir fehlen, wenn wir "unsere Sonneninsel Hiddensee" besuchen. In meinem Hiddenseebild, welches ich tief in mir trage, wirst Du immer einen festen Platz haben.


Ruhe in Frieden!

In Dankbarkeit, Dein "Roschtocker"

"Uwe" Grünberg




Bildquellen:
Bilder 1-4: Sammlung Max Gau
Bild 5: Uwe Grünberg
Bild 6: Fotokarte - Danksagung (Tochter Gisela Pfau) 

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