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Rostock, den 02.06.2022 - 15:00 Uhr


Ein unserer Szene seit Jahrzehnten sehr nahestehender Zeesbootenthusiast, erfolgreicher Buchautor, Fotograf und Freund ist von uns gegangen. Am 23.05.2022 trat Hermann Winkler - wie man unter Seeleuten sagt - seine letzte große Reise an.

 

Hermann Winkler wurde am 09.06.1937 in Dresden geboren. Er hätte in Kürze seinen 85. Geburtstag begangen.

 

Foto: Fam. Winkler

 

Schon früh zog es Hermann auf See. Seine Fahrenszeit begann 1956 beim Institut für Hochseefischerei in Rostock-Marienehe. Für seinen letztendlichen Berufsstand, als 1. Nautischer Offizier auf großen Pötten über die Weltmeere zu fahren, kämpfte er mit der für ihn bekannten Beharrlichkeit. Allerdings über einige Umwege.

Zunächst absolvierte Hermann eine Taucherausbildung. Fotos zeigen ihn als jungen, sportlichen Mann mit schwerem Helmtauchgerät. Nach einigen Semestern Schiffbaustudium, beschäftigte er sich mit dem Aufbau einer Tauchergruppe am Institut für Ostseefischerei in Warnemünde. Er wurde der erste Forschungstaucher der DDR. Es folgte eine Ausbildung zum Seetaucher. Von Jacques Cousteau inspiriert, begann sich Hermann für das Freitauchen zu interessieren. Dadurch bot sich ihm die Möglichkeit, auf dem Forschungsschiff METEOR, an einer von der DEFA verfilmten Forschungsreise in das Rote Meer teilzunehmen. Dabei kam ein von ihm entworfener Taucherschlitten und eine selbstgebaute Unterwasserkamera zum Einsatz. Um einen Taucherkutter bei der FPG Warnemünde führen zu können, erwarb Hermann einen Befähigungsnachweis als Schiffsführer in der Küstenfahrt.

Es folgte eine Umschulung zum Vollmatrosen und der Wechsel zur DSR. An der Seefahrtschule in Wustrow erwarb er das Patent A4, was ihm jedoch noch nicht die große Fahrt erlaubte. Er war jetzt als Steuermann auf Küstenmotorschiffen tätig. Anfang der 1960er Jahre erfolgte der Umstieg auf Tanker. Ein für Hermann prägendes Erlebnis, als junger Nautiker, war die Sturmfahrt auf dem betagten Tanker SCHWARZHEIDE im sogenannten "Adolph-Bermpohl-Orkan" in der Nordsee.

Hermanns Sehnsuchtsziel aber war Afrika. Die nächste Etappe führte ihn, nach einem Fernstudium mit Abschluss als Wirtschaftsingenieur in der Fachrichtung Schifffahrt, erst einmal zur VEB Deutfracht Seereederei. An Land sollte es Hermann aber nicht lange aushalten. Nach einem Aufbaulehrgang zum Patent A5-II, war er zunächst als Nautischer Offizier auf Schiffen in verschiedenen Bereichen der Handelsflotte tätig. Ende der 1970er Jahre konnte er endlich auf ganz große Reise gehen und seinen lang gehegten Wunsch realisieren. Insgesamt 20 Reisen führten ihn auf den afrikanischen Kontinent, welchen er mit dem Schiff auch zweimal umrundete.

Hermanns Interesse zur Natur führte dazu, dass er während seiner Landgänge Amphibien für den Rostocker Zoo sammelte. Viele seiner Reedereikollegen kennen ihn daher heute noch unter seinem Beinamen "Krötenhermann".

Foto 2: Fam. Hermann Winkler - Foto 3: Volker Stephan


Im Seesack dabei war immer die Kamera, womit wir bei einer weiteren Leidenschaft von Hermann Winkler angekommen sind; der Fotografie. Angefangen hatte es mit Natur- und Tierfotografie. Als Gehilfe der Vogelwärter auf der Insel Kirr am Zingster Strom, wurde Hermann einst auf die Zeesboote aufmerksam, die ihn von nun an sein weiteres Leben begleiten sollten. Schon während seiner Seereisen begann Hermann sich schriftstellerisch zu betätigen und arbeitete an seinem ersten Zeesbootbuch. Bei seinen Recherchen hat er auch an den Driften der letzten Zeesenfischer teilgenommen und deren Arbeit fotografisch dokumentiert.

Im Jahr 1992 beendete Hermann Winkler das Kapitel der Seefahrt, um fortan als Schriftsteller zu arbeiten. Resultat seiner Autorenarbeit sind zwei Zeesbootbücher, ein Buch über Eissegler, eines über die kleinen Holzboote der Boddenfischer, zwei Afrikabücher sowie mehrere Bildkalender. Die beiden Zeesboottitel kann man als Standardwerke zu diesem Bootstyp bezeichnen. An die Eissegler und die kleinen Holzboote hat er sich als erster Sachbuchautor überhaupt herangewagt und damit einen wichtigen Beitrag zum maritimen Kulturerbe der Region geleistet. In seinem letzten Werk, dem 2021 erschienenen Bildband "Hinterm Horizont liegt Afrika", nimmt Hermann Winkler den Leser mit, auf eine mit seiner beruflichen Biografie verbundene Fotoreise. Material dafür hatte Hermann, aufgrund eines erlebnisreichen und erfüllten Lebens, genug.

Durch seine Arbeiten wurde Hermann Winkler ein anerkannter Teil der Zeesbootszene. Bei den Zeesbootregatten war Hermann natürlich stets präsent, ob es an Bord eines der Boote war, oder an seinem kleinen Bücherstand. Seine Ehefrau Ingrid immer mit dabei.

Seinem ersten Zeesbootbuch "Zeesboote - Fischersegler zwischen Strom und Haff" ist es geschuldet, dass auch ich mit dem Zeesbootvirus angesteckt wurde; nicht ahnend, dass wir uns einmal persönlich kennenlernen und Freunde werden würden. Hermann wurde auf mich aufmerksam, als im Jahr 2005 meine Webseite www.Braune-Segel.de ins Internet ging. Und so bot sich die Gelegenheit, dass ich die Registerlisten für Hermanns neuen Zeesboottitel "Zeesboote - Segler durch die Zeiten" auf den aktuellen Stand bringen durfte.

 

Foto: Dr. Eberhard Bresinsky

 

Noch im Alter hielt Hermann Winkler Vorträge, schrieb Artikel und organisierte Fotoausstellungen. Auch wenn der Körper nicht mehr mitmachen wollte, Hermanns Geist war bis ganz zum Schluss jung geblieben. Eigentlich war Hermann noch nicht bereit zu gehen, doch er musste schließlich loslassen...

 

Fotos: Uwe Grünberg

 

Im Namen der Klassenvereinigung der Zeesboote

 

In dankbarer Erinnerung

 

Uwe Grünberg

 


Quellen u. Buchempfehlung:

- Hermann Winkler "Hinterm Horizont liegt Afrika" Engelsdorfer Verlag 2021
(Mit einem Beitrag von Kapitän Hans-Hermann Diestel)

- Hermann Winkler: Ein Taucherlehrling erinnert sich in: Deutsches Schiffahrtsarchiv 32/2009, OCEANUM-Verlag

Fotos:

Bild 1: Fam. Hermann Winkler
Bild 2: Fam. Hermann Winkler
Bild 3: Volker Stephan
Bild 4: Dr. Eberhard Bresinsky
Bild 5: Uwe Grünberg
Bild 6: Uwe Grünberg

 

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