Zeesboote


Rostock, den 22.07.2016 - 12:00 Uhr

 

Votivschiffe wurden meist von schiffbrüchigen Seeleuten aus Dankbarkeit für die Rettung aus Seenot gestiftet. Bei einem der beiden in der kleinen Inselkirche zu Kloster gezeigten Schiffe handelt es sich jedoch um eine Gabe des Schweriner Modellbauers Kühn.

Die meisten Besucher mögen durch das zweite Exponat, einem Wikingerschiff, einen Bezug zum Hiddenseer Goldschmuck herstellen. Den interessierten Leser soll durch diesen Beitrag nun die Geschichte erreichen, die mit dem Zeesbootmodell in Zusammenhang steht.

Zum Zeitpunkt der Anfertigung des Modells konnte niemand wissen, dass der Fischer und sein Fahrzeug einmal auf tragische Weise enden würden. Im Laufe der Jahre hatte ich bereits aus verschiedenen Quellen Bruchteile zu diesem Unglück aufgenommen, so dass ich mir ein ungefähres Bild machen konnte. Von meinem langjährigen Bekannten, dem Schaproder Walter Kruse, erfuhr ich die Geschichte jedoch aus erster Hand. Walters Brüder fischten einst in ihrer Freizeit auf diesem Zeesboot mit.

Der ehemalige Zeesenfischer Bruno Krowas war im Jahr 1990 der letzte aktive Fischer in Schaprode. Sein Zeesboot lag nun abgetakelt und zum Reusenmotorboot SAP. 001 umgebaut am kleinen Fischereianleger des einst blühenden Schiffer- und Fischerdorfes. Das noch zur Zeit der Segelfischerei gebaute Fahrzeug hatte er von Fischländer Fischern aus Dierhagen aufgekauft. Es war für sein Alter noch gut ein Schuss.


Fischer Krowas war mittlerweile Rentner. Eigentlich wollte er mit dem Kutter noch eine kleine Altersfischerei betreiben. Dann kam der verhängnisvolle Tag im März des Jahres 1990, an dem sein Boot am Liegeplatz durch einen großen Binnenschlepper beschädigt wurde. Es herrschte einlaufende Strömung. Das muss man auf dem Schlepper beim Drehen im engen Strom nicht genügend berücksichtigt haben. Schließlich kam es zu einer Kollision mit dem Rumpf des hölzernen Fischkutters von Bruno Krowas. Was passiert, wenn eine aus einzelnen Planken in  Klinkerbauweise hergestellte Rumpfschale dermaßen gequetscht wird? Das Fahrzeug wurde undicht und machte Wasser. Fischer Krowas konnte das Boot durch den Einsatz der Lenzpumpen schwimmfähig halten. Dass der Mann ziemlich unter Schock stand, ist nachvollziehbar.

Was dann am späteren Tag geschah, darüber kann man nur spekulieren. Als Bruno Krowas am Abend vom Besuch der Gastwirtschaft nicht nach Hause kam, schlug seine Lebensgefährtin Alarm. Sicher wollte er noch einmal nach den Pumpen schauen. Man fand den Fischer allerdings leblos am Anleger, Kopf oben - zwischen Pier und Bootsrumpf - im seichten Wasser stehend. Seine Puschen (Pantoffeln) standen an der Kaikante.


Der tragische Tod von Fischer Krowas besiegelte auch das Schicksal seines Zeesbootes. SAP. 001 wurde auf die Bootswerft Thomzik (ehemals Dinse) nach Stralsund verbracht und dort aufgelegt. Später soll der Rumpf dort auseinander gesägt worden sein.

Bootsbaumeister Nils Rammin erzählte mir: „Eigentlich hatte mir Bruno versprochen, dass ich das Boot einmal von ihm bekommen werde. Es war ein guter Rumpf, der zur damaligen Zeit schwarz gestrichen war. Der Kutter hatte statt einer Schanz noch die kleine, bei Zeesbooten übliche Zierleiste. Auffällig war, dass das Zeesboot einen sehr großen, mittig angeordneten Fischkasten hatte.“

Heute steht das erhaltene Heck des Fischkutters, zum Technikexponat aufbereitet, im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Durch eine Plexiglasscheibe erhält man Einsicht in den Maschinenraum und kann den 2 Zylinder Junkers betrachten.

Link zur Bildergalerie:
Das Heck von SAP. 001 im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

 

Uwe Grünberg 

Vielen Dank für die Informationen an Walter Kruse, Wolfgang Striesow und Nils Rammin 

Quellen:
Bild 1 u. 2: Uwe Grünberg
Bild 3: Mit freundlicher Genehmigung Sausewind Verlag - Andreas Dietzel
Bild 4 u. 5: Dorit Foth
Fotos der Bildergalerie: Mit freundlicher Genehmigung Hermann Schwiebert Bremerhaven

 

Kommentar vom 30.07.2016:

Wie ich im Hiddenseeurlaub erfuhr, hat Inselpastor Manfred Domrös die Geschichte damals ebenfalls niedergeschrieben. Daraus wird in der aktuellen Broschüre "Willkommen in der Inselkirche" - Ein Rundgang durch die Hiddenseer Inselkirche zu Kloster - zitiert. Zusätzlich ist zu erfahren, dass sich das Unglück am 01.03.1990 bei orkanartigem Sturm ereignete. Desweiteren soll das Zeesboot von Bruno Krowas im Jahr 1898 auf der Bootswerft Jarling in Freest erbaut worden sein soll.

Herzlichen Dank an Pastor Konrad Glöckner!

 

Kommentar vom 14.04.2018:

Die Enkelin von Brunos Krowas Lebensgefährtin, Frau Dorit Foth, überließ mir freundlicherweise die nachfolgenden Fotodokumente, die Fischer Bruno Krowas zusammen mit seiner Lebensgefährtin auf dem Grundstück in Schaprode zeigen, sowie ein schönes Foto vom Zeesboot-Kutter SAP. 001 

 

 

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