Zeesbootregister

 
 

Registriernummer/Bootsname:

Klasse: Große Klasse
Status: "unter Segeln"

FZ 8 < HEIMAT >

Allgemeine Bootsdaten

Baujahr: 1884 
Bauwerft: Carl Fünning / Stralsund 
Rumpfausführung: Rundgatt, Klippersteven
Beplankung: Eiche - kraweel 
Rumpflänge über Steven: 11,26 m 
Länge über alles (l.ü.a.):  
Rumpfbreite über Scheuerleiste: 3,36 m 
Tiefgang (ohne/mit Schwert): 0,70 m 
Verdrängung: 6 Tonnen 
Takelung: Ketsch 
Segelfläche: 95 m2 

Motorisierung

1930er Jahre  1 Zyl. Jachmann Glühkopfmotor "Greifswalder" (12 PS)
1960-1977  2 Zyl. Junkers 2 HK 65 (20 PS)
1977-1995  Famulus (36 PS)
1995-  6 Zyl. Mercedes OM 312 (100 PS)

Überholung

  
1948 Generalreparatur Freude-Werft Anklam (Rumpf teilweise neu)
1969 Achtersteven teilweise erneuert
1971 Aufbau Motorkappe, Vörunner neu, oberer Schwertkasten neu
1972-1973 neue Bodenwrangen im Vorschiff
1977 Anbringung einer Stahlsohle, Generalreparatur Motor
1978 Decksverkleidung mit Hartfaserplatten
1983 Getriebereparatur (letzte Zeesenfischerei durch Max Heise)
1985 Schwertkasten und Sohle neu, Deck kalfatert und im Bereich des Vorünner mit GFK beschichtet
1987 Klappmast und Rigg erneuert (stehendes Gut), Schott vorne neu, WC
1988-1989 neue Segel
1989-1995 Generalüberholung durch Willi Burr und Familie (Stabdeck und Beplankung größtenteils neu)
2017 neuer Großmast (in Eigenleistung)

Eigner-/Bootshistorie

Heimathafen Reg.-Nr./Name Zeitraum Bemerkung
Otto Jensen  Stralsund    1884-1945  als Zeesboot
Hermann Ewert  Stralsund  STR. 37
STR. 37-M.
1945-1956 als Zeesboot
FPG Vorwärts  Stralsund  STR. 26  1956-1961  Übergang in die FGS/FPG
Max Heise Stralsund  STR. 13 Albatros  1961-1984  letzter Zeesenfischer 
Wolfgang Burr Bodstedt  FZ 8 Heimat  1984-  als Traditionsboot 

Allgemeine Anmerkungen

1884 wurde die heutige "Heimat" von Carl Fünning in Stralsund gebaut. Dieser betrieb später eine eigene Werft. Das Fahrzeug war ein Hochzeitsgeschenk des Bootsbauers an seinen Schwager, den Fischer Otto Jensen aus Stralsund, damit dieser sich selbständig machen konnte. Eine Seite des Bootes soll als Gesellenstück, die andere als Meisterstück gedient haben. (Quelle: Max Heise)

Das Boot wurde im Krieg auf Jasmund/Rg. leck geschossen. 1945 wurde es von Fischer Hermann Ewert aus Stralsund geborgen und übernommen. (Quelle: Max Heise, Ekkehard Rammin)

Im Jahr 1955 wurde in Stralsund die Fischereifahrzeug- und Gerätestation (FGS) gegründet. In diesem Zusammenhang gab es eine Neusortierung der Fischereinummern.

Hermann Winklers Buch "Zeesenboote" ist um die Geschichte des Zeesenfischers Max Heise aufgebaut und außerdem reich bebildert. Max "Macker" Heise war einer der letzten Zeesenfischer an der pommerschen Küste. Er hat mit seiner "Albatros" noch bis 1984 vor dem Stralsunder Hafen für den Eigenbedarf gezeest.



Bootswerft Fünning

Vom 01.04.1901 an, war Carl Friedrich Albert Johann Fünning (*12.12.1866) Inhaber der ehemaligen Heinrich Genzen Werft in Stralsund. Nach seinem frühen Tod, am 11.06.1912, wurde die Werft noch bis zum 01.10.1913 von der Witwe Minna Fünning und dem Sohn Erdmann Fünning weitergeführt. Ab diesem Zeitpunkt, bis zum 01.04.1939, gehörte die Bootswerft dann dem aus Kröslin (damals Cröslin) stammenden Bootsbaumeister Richard Dinse.  (Quelle: Recherche im Stadtarchiv Stralsund, Christiane & Joachim Sorowka).

Bereits in den Jahren 1865 u. 1867 wird ein Carl August Fünning als Schiffszimmermann in Seedorf/Rügen erwähnt. Noch unklar ist, ob es sich hierbei um den Vater von Carl Friedrich Fünning oder um eine Person aus dem Wolgaster Zweig der Familie Fünning handelt, die ursprünglich vom Stettiner Haff, aus Neuwarp, stammen soll. (Quelle: Parchow/Kankel  Seedorf - Heimat Hafen)

Um 1914, bis nach dem Ersten Weltkrieg, tritt ebenfalls ein Bootsbaumeister Carl Fünning als Werftbesitzer in Wolgast in Erscheinung  (H. Karting - Deutsche Schoner Band IV, Aufzeichnungen Dr. Wolfgang Rudolph).

Der Sohn des Stralsunder Werftbesitzers, Erdmann Fünning, hat nach Aufgabe der väterlichen Werft in Stralsund als mobiler Bootsbauer gearbeitet. Er soll auch einen Bootsbauschuppen in er Gemeinde Posthaus auf der Halbinsel Bug (Rügen) besessen haben. Dort gab es eine Slipanlage, die vom Zoll/Militär genutzt wurde. (siehe auch Anmerkungen unter Zeesboot "Lustig (2)") (Quelle: Theodor Thürke, Max Gau)

Am 09.10.1941 taucht der Name Erdmann Fünning, mittlerweile 60-jährig, auf der Kröger-Werft in Warnemünde wieder auf. Das SPD-Mitglied wurde an diesem Tag verhaftet und am 21.01.1942 zu 10 Jahren Zuchthaus verureilt, weil es Nachrichten des Londoner Rundfunks über die Verluste und die Lage an der Front unter seinen Arbeitskollegen verbreitete. (Quelle: "Der antifaschistische Widerstand" (1970), Jahnke, Karl Heinz "Der antifaschistische Widerstandskampf unter Führung der KPD in Mecklenburg 1933 bis 1945", Berlin 1985, S. 209. sowie "Johnson-Jahrbuch" (6/1999)

Als der Hiddenseer Fischer Theodor Thürke kurz nach Kriegsende mit seinem Kutter in Warnemünde lag, kam ein Mann an Bord und bat um wenige Stunden Schlaf. Es war E. Fünning, der gerade zu Fuß aus dem KZ zurück kam. Er lebte nach dem Krieg mit seiner Familie in Rostock und soll noch des öfteren zum Fischholen nach Hiddensee gekommen sein. (Quelle: Theodor Thürke)

 

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