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Rostock, den 07.10.2014 - 20:00 Uhr

 

Seit Jahren verfolge ich bei Wikipedia die Thematik „Zeesenboot“. Schon als nicht registriertes Mitglied hatte ich den einen oder anderen Textabschnitt verfasst oder kleine Fehler korrigiert. Irgendwann war das Thema meiner Meinung nach "rund" und eigentlich keine weiteren Ergänzungen vonnöten.

Nun liegt es in der Natur von Wikipedia, dass sich dort jeder einbringen kann. Hinter dem Ganzen steht allerdings eine ausgeklügelte Organisatiosstruktur. Diese Hierarchie soll m. E. Missbrauch verhindern und sie dient der Qualitätssicherung. Wenn man z. B. als Nichtmitglied schreibt, bzw. nicht im Besitz eines bestimmten Status ist, kann man sich zwar beteiligen, aber das Geschriebene muss vor der Veröffentlichung von einer autorisierten Person gesichtet und freigegeben werden. Ich habe Leute kennen gelernt, für die Wikipedia eine sinnvolle Freizeitgestaltung, ja sogar Lebensaufgabe ist. Sie sind stolz darauf, der großen Familie der „Wikipedianer“ anzugehören. Wenn Menschen sich an solch einer großartigen Sache aus eigenem Antrieb, ohne finanzielle Interessen beteiligen, so kann man dies nicht hoch genug würdigen!

Deswegen hatte ich bislang immer eine sehr große Meinung von all dem und „Wikipedia“ war bei meiner Begriffssuche im Internet immer die erste Wahl.

Bis zu einem bestimmten Tag im Frühjahr 2014:
 


Was war geschehen?

Bereits seit längerem das Thema „Zeesenboote“ nicht mehr besucht musste ich feststellen, dass es nun mit Fehlern durchsetzt und eigentlich völlig verhunzt war. Ein Blick in die Versionsgeschichte zeigte schnell den Verursacher. Dieser Autor tauchte wie aus dem Nichts auf und erreichte innerhalb kürzester Zeit den Status selbständig Themen erzeugen und bearbeiten zu dürfen. Er schrieb im September 2013 kurz und heftig, erzeugte dabei viele Fehler und Missverständnisse, gab als Literaturquelle immer die gleichen 1-2 Bücher an und verschwand genauso schnell wieder, wie er aufgetaucht war. Nach meiner Erfahrung ist bei Wikipedia nicht unbedingt die fachliche Eignung Voraussetzung, sondern dass der Autor Form und Gliederung eines Wikipedia Artikels verstanden hat. Dann vergibt der Administrator die Rechte und man kann erst einmal munter drauf los schreiben. Die Community macht aus dem Artikel dann nach und nach etwas "Rundes", indem ständig Korrekturen und Verbesserungen eingearbeitet werden. An sich kein schlechter Ansatz, aber so kann aus einem "runden Artikel" auch wieder etwas "Unrundes" gemacht werden, wie eben im Fall der Zeesboote. Dann tut man es dem Ausspruch gleich: „Viele Köche verderben den Brei“.

Naja, alles kein Problem oder? Oder etwa doch? Wenn jetzt der gemeine User "Braune-Segel Uwe" denkt, er könne den Artikel mal ganz unbürokratisch wieder hinbiegen. Weit gefehlt... Nun kommt die ganze Wikipedia-Bürokratie zum Tragen und es geht nach dem Motto: „Du kommst hier net rein“. Die Korrekturen werden gesichtet und ganz schnell wieder rückgängig gemacht. Hierbei scheint es nur ums Prinzip zu gehen, nicht darum, ob gerechtfertigt oder nicht. Die Einschriebe eines „zertifizierten Mitgliedes“ scheinen eben mehr zu zählen...

Man hat dann zwar die Möglichkeit eine Diskussion auszulösen. Im Fall „Zeesenboote“ wurde das Geschriebene des Mitgliedes vom Administrator - welcher sich verständlicherweise nicht mit Zeesbooten beschäftigt – aber auf Teufel komm raus verteidigt. Schließlich unterstellte man mir, ich würde nur persönlich angreifen und meine Meinung durchsetzen wollen.     

Nun - wenn ein Autor ohne Sachkenntnis etwas zu einem Sachgebiet schreibt, von dem er eigentlich keine Ahnung hat, dann auch noch falsch (ab)schreibt, wird man doch wohl mal darauf hinweisen dürfen - oder?

Aber macht Euch doch einfach unter dem nachfolgenden Link Euer eigenes Bild:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zeesenboot
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Zeesenboot


Was ist eigentlich ein Haffboot? Und was ist mit den Boddenbooten?

Hier wurde vom Autor, ohne Rücksicht auf geografische Gegebenheiten, gleich ein ganz neuer Sammelbegriff geschaffen. Demzufolge sind, seiner Meinung nach, alle Zeesenboote = Haffboote. Dass es auf dem Stettiner Haff nie Zeesboote gegeben hat, interessiert dabei nicht.
Und - laut Administrator sind Zeeskähne und Zeesboote eh das Gleiche bzw. es kümmert heutzutage sowieso niemanden…



http://de.wikipedia.org/wiki/Haffboot
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Haffboot
(siehe unter Diskussion - Inhaltsverzeichnis Punkt 5 „Rubrik Haffboot“

Aber auch an anderer Stelle musste ein Fachkollege vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund ähnliche Erfahrungen machen, als er darauf hinwies, dass die kleinen Strandboote vom Darss fälschlicherweise als Boote eingestuft wurden, die angeblich Scheerbrettfischerei betrieben haben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Strandboot
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Strandboot

Auch mein letzter verzweifelter Hilferuf: „Mensch, ich will doch nur helfen. Der Autor hat im Buch von Wolfgang Rudolph nur an der falschen Stelle abgeschrieben“ (die ehemaligen Zeeskähne des Oderhaffs mit den Zeesbooten der Boddengewässer vertauscht) brachte nichts.

Antwort Wikipedia-Administrator (Zitat*):
„Was ich in den letzten Tagen kriegen konnte war "Timm Stütz, Braune Segel im Wind". Dort steht u.a. auf Seite 31:
(auf einer Rechnung eines Bootsmaumeisters in Freest) tauchte ... 1897 ein "Zehskahn" auf ... natürlich war das Fahrzeug mit seinen ca. 9 Metern Länge ... ein Zeesboot. Doch die tief in der Fischersprache verwurzelten Begriffe hatten ein zähes Leben ..."

"Wenn ich das so lese, dann kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, das der erste Satz des Lemmas richtig ist. Sicherlich kann man das sprachlich weiter differenzieren - kein Problem. Aber vom Kern ist die Aussage - entgegen der Kritik - nicht falsch."

"Sorry Uwe, aber kann es sein, das du hier ein wenig deine persönlichen Ansichten durchsetzen willst? Geschichtsschreibung ist nie Schwarz-Weiß. Ebensowenig wie Begriffe."

"Und auch im heutigen Alltag kümmert es die Menschen herzlich wenig, das (beispielsweise) das "Foto", welches sie in der Drogerie von ihrer Digitalkamera drucken lassen, nicht der Definition entspricht."

Eben - aus solch einer Auffassung heraus steht bei Wikipedia unter „Zeesenboote“ nach wie vor solch ein Unfug wie - Zitat: „Bei einer Zeese teilen sieben Schotten den Schiffsraum ab (vom Bug zum Heck): Vörunna, Kabelgatt, Denn, Dörrink, Dekem , Stuerplicht, Acht` Derrink.“

(Allg. Hinweis: Abgesehen von der restlichen Falschaussage, steht der Begriff "Zeese" grundsätzlich für das Fangnetz und nicht für das Fischereifahrzeug, was in diesem Fall das Zeesboot wäre.) 

Und bei einem „Zeeskahn“ handelt es sich laut Wikipedia gar um die plattdeutsche Bezeichnung für ein Zeesboot (Einwände dagegen werden wie gewohnt nicht ernst genommen).

http://de.wikipedia.org/wiki/Zeeskahn
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Zeeskahn



Zusammenfassend kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nur eindringlich davor warnen, für ernsthafte Recherchen zum traditionellen Bootsbau und zur Fischereigeschichte der südlichen Ostseeküste, bestimmte Wikipedia Artikel zu verwenden! Leider ist dies in einigen, mir bekannten Fällen (durch Tageszeitungen) bereits geschehen.

Nichts desto trotz wünsche ich Euch - immer handbreit Wasser unterm „Dörrink“ - was immer das auch sein mag ;o)


Euer

Braune-Segel Uwe


* In dem Zitat in „Braune Segel im Wind“ sagt der Buchautor doch genau aus, worum es eigentlich geht, nämlich dass es sich beim Zeeskahn und beim Zeesboot um zwei unterschiedliche Dinge handelt. Aber was ist schon so ein „Begriff“ ;o)

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